Einöde

Sag mir, was Du willst und ich sage Dir, was Du bist. All die Momente, all die Stunden, die Erlebten, die Verlebten, die vergessen und erinnert sind.

All die Höhen, all die Tiefs, hinter Dunst und Schwaden verblasst und gerade deswegen eingebrannt oder unter Lupen verschwommen sind. Bist Du das?

Die Momente, die Du tiefer als Sauerstoff inhaliert hast, sind sie weg? Werden sie nie wiederkommen oder sich zu den anderen Dämonen einreihen? Möchtest Du dem Leben nüchtern begegnen?

Wahrscheinlich.

Nie.

Was ist es Dir wert, nie wieder in das sorgenvolle Gesicht beim Treffen zu blicken, das vielsagende „Du siehst gut aus!“ zu hören, in dem ganz genau steckt, wie Dein Leben gerade verläuft. Das niemandem etwas vorlügen können, die peinliche Verbundenheit mit Fremden in der U-Bahn, die Versteckspiele, die Charaden, das Würgen beim Zähneputzen, die roten Augen, die Zielscheibe auf dem Rücken, die Dich davon abhält, eine eigene Agenda oder Wünsche zu haben.

Planen, zweifeln, ob Du überhaupt in der Lage bist, Pläne, Termine wahrzunehmen, geschweige denn genießen zu können. Flüge zu verpassen, in Krankenhäusern aufzuwachen, das liefert vielleicht gute Geschichten, doch fade Epiloge. Und: ist das Gegenteil denn wirklich ein langeweiliges Leben?

Wann blieb Dir, blieb allen das Lachen im Halse stecken? Wann hörte es endgültig auf, lustig zu sein. Allein, Dir diese diese Fragen zu stellen, sind doch gute Gründe. Gründe die man sich ins Bewusstsein zu rufen verspricht, wenn das Chaos bezwungen, weit weg scheint und Ordnung, Routine vorgaukelt. Natürlich ist Krisenmanagement selten öde, dennoch zehrt es Dich aus.

Erinnere Dich, als es anfing; kein Rockˋn Roll mehr, die Footballsaison endgülttig zu Ende. Die Morgende wurden zu kurz nur um sich ewig hinzuziehen, alles für ein Stück Funktionalität. Normalität. Alles Heil dem Schein.

Wenigstens den Schein. Den eingebildeten. Den von allen Seiten peinlich auferhaltenen.

Dagegen: das Leben. Krisen, ja, doch immerhin zu bewältigen. Ohne abwägen, ohne glasige Blicke. Ohne Blutergüsse, Platzwunden, Beziehungen, zerbrochenes Geschirr, nasse Alpträume, Nächte, Zittern, Stimmen, die unter der Haut auf der Decke krabbeln. Anstrengend, ja, doch zu meistern. Die Dornen auf dem Weg fühlen, doch wenigstens auf festem Boden fühlen. Harte Erde ist besser als das Schwanken in schwarzen Löchern, der Versuch, in fahlen Wolken festen Fuß zu fassen.

Denke daran – Du kannst nicht nach Sternen greifen, die vor Deinen Augen verschwimmen und deren Namen Du vergisst.

Laternen können einem dem Weg zeigen ohne, dass man dagegen läuft. Ankerr sind nicht nur Ballast. Es gibt ein zufriedenes Leben zwischen tristem, sinnlosen Fron und haltlosem Leichtsinn. Cool war für Dich immer, selbstbestimmt zu sein. Wohin, wofür?

Sich im Griff zu haben heißt nicht, machtlos zu sein. Du lebst doch viel zu gerne selbst bewusst um all das das wegzuspülen. Auch war doch der leichte Weg nie Deiner, warum also jetzt die Rutsche nehmen um dann wehleidig, eingesuhlt und voller Selbstmitleid nach hinten und nach oben zu schauen?

Denke daran, wenn Du es vergisst: wenn es grau erscheint. Denk an die Löcher, die Du Dir gegraben hast, der süße Geruch ehrlicher Erde war doch oft nur Moder. Letztlich ist es viel anstrengender, immer weiter zu buddeln als ab und zu inne zu halten, zu bremsen, ankern, vielleicht auch ein paar Schritte zurück zu gehen. Bleibe achtsam. Scheine auch in die finsteren Ecken, anstatt geduckt in die gewohnte Dunkelheit zu rennen um den Schatten auszuweichen. Schau genau hin, denn auch die größten Monster sind kleiner, wenn Du hinsiehst. Dann musst Du Dich Ihnen auch nicht alleine stellen. Nicht alleine – das ist es doch, was Du wirklich willst. Das Zweite, Große. Mit und Ohne, Mit ist manchmal spaßig, ohne ist es schön.

Was war es denn für Dich? Die Krücke, die Dir erst die Fähigkeit des Laufens, dann des Gehens, des Schleichens und schließlich auch des Kriechens nahm. Dein Genuss verdient es ja, wahrgenommen, empfunden zu werden. Ohne Dämpfer. Denn genau das war es – all-inclusive mit allem, außer Ausgang. Nüchtern waren doch nur Urlaube.

Deine Prinzipien gelten auch für Dich, teile Sie mit Dir! Sag mir, was Du willst und ich sage Dir wer Du bist!

Iris

Und noch immer denke ich in den alten Kategorien, in alten Sätzen, vergessenen Strukturen und verlorenen Idealen.

Und noch immer möchte ich sie nicht vermissen, möchte mich in ihnen verlieren, in ihnen versinken und mich in ihnen verlieben. Um am Ende hier zu stehen und am Ende mit offenem Blick in die Augen der Stürme sehen zu können.

Kernkompetenzen

Kernkompetenzen, die im open space dezentral nebeneinander gesetzt werden und dort in hellen, offenen Räumen an engen, kleinteiligen Projekten arbeiten.

Während das Proletariat früher von den Kapitalisten ausgeblutet und ausgebeutet wurde, schärft die digitale Bohème heute selber das Messer, in das sie später selber springt. Optimiert und motiviert wissen sie ganz genau, welche Anforderungen sie erfüllen könnten, aber nicht, welche später tatsächlich auf sie warten.

In diesen gesunden Körpern Weiterlesen „Kernkompetenzen“

Digging

Now you descend into this sinking feeling again, just hoping that the pit of despair will at least have some ragged edges this time so you might either hurt yourself enough to bleed out when you fall to the bottom or have a fighting chance to climb out once you have reached the ground. But you just keep on falling and falling, and falling. And all of a sudden it seems like a good idea to let go of the rope that you actually brought with you. That is attached to a pole at the top. But the rope seems incredible heavy now. And you know that you don‘t have the strength to shinny it anyway. And as you keep falling, you start to forget how it was to feel the sunlight on your skin, to breathe in fresh air and to lie down on the green spring grass.

And then, after all this falling, Weiterlesen „Digging“

Abgrund

Ich kann ihr nicht mehr in die Augen schauen, weil ich mich darin sehe. Mehr als mein Gesicht, meinen Körper, der nur noch nach außen meinem Willen gehorcht. Mehr als die leeren Augen, die einmal wach und voller Neugier waren.

Ich würde gerne weinen, würde gerne so tun, als würde es schmerzen. Aber das tut es nicht. Ich schäme mich nicht, es tut nicht mehr weh. Ich habe meine Medizin genommen, sie wirkt schnell. Ein guter Junge, ein vernünftiger Patient. Chemotherapie für die Seele. Ich schütte Gift in mich hinein, in der Hoffnung, dass die Krankheit vorher stirbt. Kopfschmerzen, Übelkeit und ein schlechtes Gedächtnis sind nur die Nebenwirkungen. Ich muss nur regelmäßig dran bleiben, darf nicht eigenmächtig absetzen. In meiner Beziehung habe ich mich erinnert, das passiert mir nicht noch einmal.

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Frühstück Teil II

Beide waren im Nachthemd, ihres weiblich elegant geschnitten, seins einfach durch tausendfaches Waschen und die Jahre ein zum Nachthemd gewordenes T-Shirt. Sie waren, so wie immer, nicht glücklich, aber mit einer grundsätzlichen Zufriedenheit ins Bett gegangen. Dann hatten sie sich, wie schon seit Jahren, unter ihre eigene Bettdecke gelegt, jeder kurz in seinem Buch geblättert und dann waren Weiterlesen „Frühstück Teil II“